Gibt es eine globale Frauenfeindlichkeit?

fragte die Zeit in ihrer letzten Ausgabe. Wegen der vergewaltigten und ermordeten Inderin fragte sie das und startete eine Serie über Frauen aus aller Welt. Ich habe nur den Teil über die Türkinnen gelesen. Schon die Fragestellung mutet mir seltsam an. Mein erster Gedanke: Das ist eine rhetorische Frage, oder?

Ich will nur kurz zwei Beispiele aus der Blogosphere zeigen, die ich in der letzten Zeit mit dem Thema beschäftigt haben. Empfinde ich das nur so oder ist das mehr geworden? Schreiben mehr Menschen über diese Dinge?

Eine Bloggerin aus Chicago. Sie schreibt auch viele andere Dinge, wie man auf ihrer Seite nachlesen kann. Hier.

Und hier der zweite Artikel:

Ein Blogpost über: What if we responded to Sexual Assault by limiting Men’s freedom like we limit women’s?

Lance, das Doping und die Wahrheit

Meine Mutter hatte lange Zeit – über Jahre, wenn ich mich recht erinnere – ein Buch von Lance Armstrong, dem Radprofi, auf dem Sofatisch liegen. Es hieß ungefähr so: Wie ich den Krebs besiegte und die Tour de France gewann. Meine Mutter interessiert sich nicht so sehr für Sport. Aber mein Vater war vor nicht allzu langer Zeit an Krebs gestorben. Sie interessierte sich also für Krebs und wie man ihn besiegt und weiterlebt. Wie man neuen Mut und Kraft gewinnt und dann nochmal Höchstleistungen erreicht in seinem Leben. Sie wollte wohl auch für sich lesen, wie man “danach” weiterleben kann. Ich habe das Buch liegen sehen und ich fand es damals schon prätenziös und obszön. Teilweise führe ich das auf die amerikanische Mentalität zurück, die aus diesem Titel und dem Anspruch spricht. Ich habe das Buch nie geöffnet geschweige denn auch nur ein Wort daraus gelesen. Vor allem fand ich es obszön, wie der Autor schon im Titel sich selbst huldigt, auf seine Leistungen im Radsport verweist. Ich will das jetzt auch nicht so darstellen, als habe ich es schon immer gewusst, aber ich dachte mir schon damals, dass er diese Leistungen doch nicht so einfach erbracht hat. Nicht auf ganz ehrliche Weise und schon gar nicht allein und ohne Hilfe. Und in einem solchen Fall, da halte ich es doch für geboten, sich in Bescheidenheit zu üben. Sich zurückzuziehen, sich zu freuen, dass alles gut ging und zu hoffen, dass die Welt nicht allzu lange darüber nachdenkt, wie man diese Leistungen erbracht hat. Er hat also gedopt. Alle im Radsport tun das. Nur wurde er nicht erwischt. Er hat es also besser gemacht. Nun gut. Es kann jedenfalls nicht sein, dass ungefähr alle Profis es tun, erwischt werden, gesperrt und er, der am besten ist, es nicht tut. Er wurde halt nur nicht erwischt. Jedenfalls bis jetzt.
Ich weiß nicht, was meine Mutter mit dem Buch getan hat. Ich weiß nicht, ob es ihr damals irgendwie half. Aber es fiel mir jetzt wieder ein.

Die Straßenfeger

Irgendwie ist es entsetzlich unangenehm diese Menschen zu sehen. Manche riechen unangenehm. Können nicht sehr gut sprechen. Nicht wegen der Deutschkenntnisse, sondern wegen der mangelnden Bildung. In der U3 ist öfter dieser Mensch, der eine offene Wunde am Bein hat, die unversorgt ist. Das Fleisch fault offenbar so vor sich hin.
Heute war es anders unangenehm. Der Mann war sehr ordentlich angezogen. Er trug Brille. Er war gewohnt vor fremden Menschen zu sprechen. Die Blicke auf sich zu spüren. Er sprach in vollständigen Sätzen und hat wahrscheinlich gar eine Hochschulbildung genossen. Er sprach mit österreichischem Akzent. Mir war das sehr sympathisch. Aber ich hatte kein Kleingeld. Allerdings glaube ich, den echten Berlinern und denen, die eine geringere Bildung hatten, kam das suspekt vor. Was will der Tourist hier uns das Geld aus der Tasche ziehen? Warum spricht der so hochgestochen? Warum ist er so gut angezogen? Und dann die Brille. Kurz: er wirkte unglaubwürdig. Nicht authentisch. Nicht so, wie ein Bettler wirken soll. Es geht auch um Authentizität. Sonst fühlen die Leute sich verarscht und wollen nichts geben.So widerwärtig es uns auch ist, wir wollen doch, dass der Bettler gefälligst auch wie einer aussieht.