Lance, das Doping und die Wahrheit

Meine Mutter hatte lange Zeit – über Jahre, wenn ich mich recht erinnere – ein Buch von Lance Armstrong, dem Radprofi, auf dem Sofatisch liegen. Es hieß ungefähr so: Wie ich den Krebs besiegte und die Tour de France gewann. Meine Mutter interessiert sich nicht so sehr für Sport. Aber mein Vater war vor nicht allzu langer Zeit an Krebs gestorben. Sie interessierte sich also für Krebs und wie man ihn besiegt und weiterlebt. Wie man neuen Mut und Kraft gewinnt und dann nochmal Höchstleistungen erreicht in seinem Leben. Sie wollte wohl auch für sich lesen, wie man “danach” weiterleben kann. Ich habe das Buch liegen sehen und ich fand es damals schon prätenziös und obszön. Teilweise führe ich das auf die amerikanische Mentalität zurück, die aus diesem Titel und dem Anspruch spricht. Ich habe das Buch nie geöffnet geschweige denn auch nur ein Wort daraus gelesen. Vor allem fand ich es obszön, wie der Autor schon im Titel sich selbst huldigt, auf seine Leistungen im Radsport verweist. Ich will das jetzt auch nicht so darstellen, als habe ich es schon immer gewusst, aber ich dachte mir schon damals, dass er diese Leistungen doch nicht so einfach erbracht hat. Nicht auf ganz ehrliche Weise und schon gar nicht allein und ohne Hilfe. Und in einem solchen Fall, da halte ich es doch für geboten, sich in Bescheidenheit zu üben. Sich zurückzuziehen, sich zu freuen, dass alles gut ging und zu hoffen, dass die Welt nicht allzu lange darüber nachdenkt, wie man diese Leistungen erbracht hat. Er hat also gedopt. Alle im Radsport tun das. Nur wurde er nicht erwischt. Er hat es also besser gemacht. Nun gut. Es kann jedenfalls nicht sein, dass ungefähr alle Profis es tun, erwischt werden, gesperrt und er, der am besten ist, es nicht tut. Er wurde halt nur nicht erwischt. Jedenfalls bis jetzt.
Ich weiß nicht, was meine Mutter mit dem Buch getan hat. Ich weiß nicht, ob es ihr damals irgendwie half. Aber es fiel mir jetzt wieder ein.

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