Top Ten Thursday: Weltkriege

Zeit diesen Blog mal wieder zu bespielen. Irgendwie war mir so danach. Ich las etwas von diesem Top Ten Thursday und dachte bei mir: ich kenne keines dieser Bücher, aber ich habe selbst doch schon viele Bücher aus vor allem dem zweiten Weltkrieg gelesen.

 

Judith Kerr: Als Hitler das rosa Kaninchen stahl

Ich glaube, wir haben dieses Buch in der Schule gelesen oder wurden da irgendwie über die Schule mit in Kontakt gebracht. Jedenfalls war es eines der ersten Bücher und auch bisher eines der besten Bücher über den Holocaust, die ich gelesen habe. Ich erinnere mich, dass ich als Kind beim Lesen hin und her gerissen war zwischen dem Grauen der Flucht und der Faszination, dass dieses Mädchen so viele Länder bereisen durfte.

 

Vinke Hermann: Das kurze Leben der Sophie Scholl

Pflichtlektüre für jemanden, der auf das Geschwister-Scholl-Gymnasium ging. Als ich es zum ersten Mal las, war ich irgendwie fasziniert, aber verstanden habe ich damals das Ganze noch nicht. Es kam mir absurd (wenig) vor, dass Sophie Scholl nur (!?) ein paar Flugblätter verteilt hat und dafür eine solche Strafe bekommen hatte. Surreal.

 

Hilde Domin: Von der Natur nicht vorgesehen. Autobiographisches.

Ich habe ein Faible für Autobiografien und Biografien. Man sieht es daran, dass in dieser Liste schon zwei enthalten sind. Hilde Domin beschreibt hier sehr eindrücklich ihre Jugend und Studienzeit bis zur Emigration 1933 nach Italien und dann später nach Santo Domingo. Auch ihre Rückkehr ins Nachkriegsdeutschland findet Eingang in dieses Werk.

 

51bgjqhwyhl-_sx317_bo1204203200_Christine Brückner: Poenichen-Triologie

Hierbei handelt es sich eigentlich um eine ganze Familiensaga, die am Ende des ersten Weltkriegs beginnt und dann bis weit in die neue Bundesrepublik andauert. Den letzten Band fand ich nicht mehr so spannend. Im Zentrum steht Maximiliane, die in Hinterpommern auf einem großen Gutshof beboren wird. Im zweiten Weltkrieg wird die Familie auseinandergerissen und vertrieben und kommt dann in der BRD an. Viele Themen werden hier behandelt und vor allem über die Vertreibung aus den Ostgebieten hatte ich davor noch nicht so viel gewusst oder überhaupt nachgedacht.

 

 

Marie Moutier: “Liebste Schwester wir müssen hier sterben oder siegen” Briefe deutscher Wehrmachtssoldaten 1939-45

Angeregt durch die Miniserie “Unsere Mütter, unsere Väter” habe ich angefangen mich für die Geschichten der “kleinen” Leute im Krieg zu interessieren. Meine Großeltern, die davon erzählen könnten, leben nicht mehr. Und ich wollte nicht immer nur über den Holocaust hören und Zahlen und Fakten. Ich wollte wissen, wie hat das eine Frau wie meine Oma zu Hause in ihrem Dorf erlebt oder mein Opa an der Ostfront. Das ist kein Buch, das man von vorn bis hinten durchlesen muss, aber sehr spannend zum querlesen und reinlesen.

 

41xnv45zttl-_sx290_bo1204203200_Marina Zwetajewa: Auf eigenen Wegen

Das ist das einzige Buch aus dem Umfeld des 1. Weltkriegs in diesem Kreise. Ich habe schon vor einiger Zeit bemerkt, dass ich ziemlich wenig über den ersten Weltkrie gelesen habe. Hier geht es offensichtlich um die Situation in Russland. Vor allem zum Ende des Weltkriegs und kurz nach dem Ende, zur Zeit der Revolution, herrschte Not an allem und das beschreibt Zwetajewa wie immer wunderbar.

 

 

 

Heinrich Harrer: 7 Jahre in Tibet

Ich habe schon viele Jahre eine Faszination für Tibet und den Dalai Lama. Daher habe ich dieses Buch schon vor vielen Jahren gelesen. Harrer flieht 1944 aus einem Lager in Indien und kommt irgendwie in Tibet zurecht, wo er einige Jahre im Umfeld des heutigen Dalai Lamas lebte. Der war damals noch ein Kind und bekam von Harrer sogar Privatunterricht. ein letzter Einblick in eine Welt kurz vor ihrem Untergang. Auch spannend zu lesen, wie die Weltgeschichte weitergeht, während Harrer abgeschieden von allem in Tibet lebt. Ist eigentlich noch Krieg da unten?

 

41teosqmo5l-_sx330_bo1204203200_Johannes Simmel: Es muss nicht immer Kaviar sein

Dieses Kunstwerk stammt aus der Bibliothek meiner Großmutter. Es ist wahrlich kein literarisches Meisterwerk, aber ein interessantes Relikt aus der Nachkriegszeit. Die Handlung beginnt 1939 mit Kriegsausbruch und Thomas Lieven wird in den Kriegsjahren quer durch Europa gejagt – und wenn ich mich nicht irre sogar bis nach Südamerika – und erlebt die wildesten Abenteuer. Dabei wird auf erzählerische Details und Characterbeschreibung keinerlei Zeit verschwendet. Die Handlung treibt den Roman und Thomas Lieven immer voran. So, so stelle ich mir das vor, wollte der Deutsche in den 60er Jahren über den zweiten Weltkrieg lesen. So hätte der gemeine Deutsche den Krieg gern in Erinnerung gehabt.

 

Und diese Bücher, die während der Weltkriege spielen, habe ich angefangen zu lesen, aber nie beendet.

Das Tagebuch der Anne Frank

Es tut mir leid, das zu sagen, es ist schon so lange her, dass ich es gelesen habe, ich war wahrscheinlich in Annes Alter, aber damals fand ich es einfach nicht so fesselnd. Ich wusste ja wie es ausgehen würde und dazwischen passierte für mein damaliges Empfinden einfach nicht so viel. Ich muss auch zugeben, dass ich dem Buch danach nie eine zweite Chance gegeben habe.

Hans Fallada: Jeder stirbt für ich allein

Irgendwie konnte ich den Schreibstil nicht ertragen. Ja, Simmel oben ist auch altmodisch und ungewohnt, aber irgendwie ging es noch. Das ging nicht. Dabei wollte ich so sehr. Auch weil es in Berlin spielt und man sehr viel aus der Stadt und der Atmosphäre mitbekommt.

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Lance, das Doping und die Wahrheit

Meine Mutter hatte lange Zeit – über Jahre, wenn ich mich recht erinnere – ein Buch von Lance Armstrong, dem Radprofi, auf dem Sofatisch liegen. Es hieß ungefähr so: Wie ich den Krebs besiegte und die Tour de France gewann. Meine Mutter interessiert sich nicht so sehr für Sport. Aber mein Vater war vor nicht allzu langer Zeit an Krebs gestorben. Sie interessierte sich also für Krebs und wie man ihn besiegt und weiterlebt. Wie man neuen Mut und Kraft gewinnt und dann nochmal Höchstleistungen erreicht in seinem Leben. Sie wollte wohl auch für sich lesen, wie man “danach” weiterleben kann. Ich habe das Buch liegen sehen und ich fand es damals schon prätenziös und obszön. Teilweise führe ich das auf die amerikanische Mentalität zurück, die aus diesem Titel und dem Anspruch spricht. Ich habe das Buch nie geöffnet geschweige denn auch nur ein Wort daraus gelesen. Vor allem fand ich es obszön, wie der Autor schon im Titel sich selbst huldigt, auf seine Leistungen im Radsport verweist. Ich will das jetzt auch nicht so darstellen, als habe ich es schon immer gewusst, aber ich dachte mir schon damals, dass er diese Leistungen doch nicht so einfach erbracht hat. Nicht auf ganz ehrliche Weise und schon gar nicht allein und ohne Hilfe. Und in einem solchen Fall, da halte ich es doch für geboten, sich in Bescheidenheit zu üben. Sich zurückzuziehen, sich zu freuen, dass alles gut ging und zu hoffen, dass die Welt nicht allzu lange darüber nachdenkt, wie man diese Leistungen erbracht hat. Er hat also gedopt. Alle im Radsport tun das. Nur wurde er nicht erwischt. Er hat es also besser gemacht. Nun gut. Es kann jedenfalls nicht sein, dass ungefähr alle Profis es tun, erwischt werden, gesperrt und er, der am besten ist, es nicht tut. Er wurde halt nur nicht erwischt. Jedenfalls bis jetzt.
Ich weiß nicht, was meine Mutter mit dem Buch getan hat. Ich weiß nicht, ob es ihr damals irgendwie half. Aber es fiel mir jetzt wieder ein.

Three books

  1. Alexander S. Pushkin: The Gypsies.

Pushkin is the Russian Goethe or as you would probably say in England: the Russian Shakespeare. He mastered language as no one before or after. The Gypsies is a particularly beautiful and tragic love story of a young man falling in love a wild gypsy woman. He feels attracted to all that is alien and different and dark to him. He gives up his life for her and lives with the Gypsies. But in fact he never gets to understand her and her way of living. What he had found attractive at first, her wild and free spirit, becomes dangerous to him as soon as he considers her to be his. As she falls in love with another man and he finds the couple together, he kills them both.

  1. Margret Mitchell: Gone with the Wind.

I grew up with this novel. And the movie. I cannot even remember when I saw it first. Whenever it was on TV, we would watch it with my mother. Like a ritual. When I was about 14 or 15, I finally read the book. And it became the most influential novel of my youth. While reading I wouldn’t do anything else during this time. For two weeks. Today I cannot even say that I particularly like the style or the story, it is just a part of my life. I was very impressed with the character of Scarlett O’Hara. She was a strong woman, who took her life into her own hands and would not let others decide. At the same time as she was rational, she also was very passionate and emotional. Of course always with the wrong men. But this is life. My favourite part of it though was after all the ending. No happy end.

I reread the book years later, feeling kind of embarrassed with myself for having been so impressed with a character as hard and even cruel and selfish as that of Scarlett O’Hara. My perception completely changed to considering Red Butler as the only character who was honest, in queer way though, and the only one with a sincere and persistent love.

  1. Andrei Sinyavsky: A voice from the chorus.

This is the wisest book I ever held in my hands. It consists of pieces of letters written by Andrei Sinyavsky to his wife, while he was imprisoned in Siberia for political reasons. Whatever this means in the context of Russian history. Especially striking is the clear, laconic and aphoristic style. There are scenes and anecdotes from everyday life in the prison, life stories of fellow prisoners, thoughts and theories on the nature of life and survival, on literature and religion as well as on the most trivial things as the weather and the food. On a whole the book gives a deep inside on a man living in an extreme situation and coping with life on the margins. He is a writer, but of course is not allowed to write nor has he the possibility. He gets only this small supply of paper to write the letters to his wife on. He has to be strict to what to say and which words to put it in.